Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU
Von Jan Teuber
Verlag: Springer, Preis: 19,95 €
Der erste Kontakt zu psychiatrischen Patienten im Zuge des Medizinstudiums ist häufig eine eher befremdliche Erfahrung, da es den in organischen Belangen zwar geschulten aber mit psychischen Erkrankungen nicht selten nur rudimentär vertrauten Studenten meist schwerfällt, auf einen Patienten mit derartigen Störungen einzugehen. Die Autoren dieses Buches sprechen deshalb durchaus nicht zu Unrecht von der Psychiatrie als potentiellem "Fremdkörper" im Studium der Medizin, da dieses Fach als Hybride zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften daherzukommen scheint.
Dabei sind es - nachdem die erste Annäherung gelungen und die anfängliche Barriere überwunden ist - nicht einmal die Symptome, die ein Patient zeigt, die soviel Schwierigkeiten bereiten, sondern vielmehr deren Einordnung in ein umfangreiches Gebäude aus Syndromen und Komplexen, die schlußendlich in mehr oder minder charakteristischer Kombination auf die jeweilige Störung bzw. Erkrankung schließen lassen.
Den Professoren Arolt, Reimer und Dilling gelingt es jedoch außerordentlich gut, die Komplexität des Stoffes auf seine wesentlichen Inhalte zu reduzieren und diese in knapper, zumeist stichpunktartiger Weise zu präsentieren. Gute Übersichten und Zusammenfassungen runden die sehr gelungene Darstellung ab. Die Orientierung in den einzelnen Abschnitten gelingt schnell, da alle Krankheiten in der Regel nach dem gleichen Schema eingeführt und besprochen werden.
Neben der Auseinandersetzung mit den "prominenten" Vertretern psychiatrischer Erkrankungen, wie z. B. Neurosen, Persönlichkeitsstörungen oder schizophrenen Psychosen, enthält das Buch auch recht ausführliche Passagen zur Kinder- und Jugend- sowie der Rechtspsychiatrie, zur Psychosomatik, Therapie und Prävention. Ergänzt wird all dies durch einige grundlegende Ausführungen zur Ethik, Krisenintervention und Historie der Psychiatrie. Auch eine Liste der gängigen psychologischen Testverfahren, verbunden mit einer kurzen Charakterisierung und einer weiterführenden Literaturempfehlung, stellt eine gute praktische Hilfe dar.
Wo immer es sich anbietet, machen die Verfasser dieses Taschenbuches auch ausführlichen Gebrauch von Fallbeispielen. Gerade weil diese meist eher modellhaft ausfallen, sind sie für das vertiefende Verständnis des jeweiligen Krankenbildes sehr gut ausgewählt. Auch wenn die manchmal eher einer Auflistung gleichende Schreibart beim ersten Lesen den Fluß möglicherweise etwas stören mag, ist sie doch besonders für Repetitorien und zum schnellen Nachschlagen hervorragend geeignet.
Mit dem Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie ist im Springer Verlag ein äußerst gelungenes Kompendium dieses komplexen Fachgebietes erschienen, das sowohl dem Anfänger als Einsteig als auch dem Fortgeschrittenen zum schnellen Nachschlagen gute Dienste leistet. Bei einem Preis von 19,95 EUR stimmt dann auch das Preis-Leistungsverhältnis, was bei Medizinbüchern leider nicht immer der Fall ist. Mein Fazit lautet daher: Rundum empfehlenswert!
