Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU
Von Christian Kluge
Verlag: Thieme, Preis: 9,95 €
Es handelt sich um ein Taschenbuch, welches wirklich in die Hosentasche passt, ohne aufzufallen. Das Heftchen ist farbig gestaltet, für 9,95 € neu im Handel zu erwerben, Softcover.
Die von Thieme seit kurzem erhältliche FAKTEN-Reihe ist schon ein wenig merkwürdig: Da soll im Taschenformat sowohl für Betroffene ein aufklärender Rategeber, für den Medizinstudenten ein Lerninstrument als auch für den fertigen Arzt ein Kitteltaschenbegleiter und Nachschlagewerk geboten werden. Das schien mir schon beim Lesen des Klappentextes eine gewagte Zielsetzung zu sein. Für den Betroffenen geht es eindeutig zu lateinisch - griechisch zu. Für den Stationsarzt ist es etwas unübersichtlich und kaum praktisch gegliedert. In dieser Hinsicht unterscheiden sich – aus gutem Grund – Nachschlagewerke eben von Lehrbüchern. Als letzteres ist der vorliegende Text an sich übrigens durchaus gut geeignet. Man bekommt von allen Seiten ein klares und umfassendes Bild der Ätiologie, Pathogenese und Klinik der Migräne. Eine Kurzzusammenfassung der aktuellen Studienlage wird ebenso geboten, wie adäquate Therapieempfehlungen. Irgendwie kann man trotzdem wenig damit anfangen: Wer kauft sich schon ein extra Lehrbüchlein für jedes Krankheitsbild? Beim Preis von knapp zehn Euro pro Band hätte man bei dieser Strategie auch schnell ein „erwachsenes“ Buch zusammen… Und selbst wenn man von diesem ökonomischen Argument einmal absähe: Hätte man davon wirklich Vorteile? Für den „normalen“ neurologischen Kurs ist das Buch viel zu ausführlich. Ein Facharztkandidat hat sicher einen der ordentlichen dicken Wälzer daheim, der genau das Gleiche zu leisten im Stande ist. Der Betroffene versteht nur 30%: kaum ein Fachbegriff wird erklärt, so dass auf einen Nichtmediziner z.B. die vergleichende Betrachtung der Migränetherapeutika im Hinblick auf ihre Nebenwirkungen nur wie ein kryptischer Buchstabensalat wirken kann.
Nur zur Klarstellung: Inhaltlich gibt es überhaupt nichts zu beanstanden. Das ist ein solider Text, der nur nicht als separates Buch verkauft gehört. Und wenn man kein dickes Facharztlehrbuch kaufen möchte, hier ein kleiner Tipp, der heutzutage eigentlich keiner mehr sein sollte: http://dgn.org/fileadmin/leitl05/migraene.pdf, da gibt es nämlich die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zu dem Thema. Kostenlos und ebenso informativ wie aktuell. In Kombination mit dem gängigen Basiswissen aus dem neurologischen Kurs sollte so 90% dessen, was dieses Buch einem beizubringen imstande ist, abzudecken sein. Der von der Migräne Betroffene könnte demgegenüber auf Wikipedia rekurrieren, womit er dann sicherlich ein ähnlich günstiges Preis-Leistungsverhältnis erreichen wird.
