Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU
Von Christian Kluge
Verlag: Elsevier, Preis: 34,95 €
Im Elsevier - Verlag erschien Ende 2004 die mittlerweile zehnte Auflage der "Neurochirurgie" von Michael Schirmer. Das Werk wird vom Verlag als "bewährte Einführung" beschrieben und genau diese bekommt man auch. Doch zunächst zu den physischen Qualitäten: Auffallend und, wie ich finde, gut gelungen ist der durchgehend zweifarbige Druck (mit einem wirklich ansprechenden Grünton). Ansonsten kann das Layout in meinen Augen nicht überzeugen. Die reichlich vorhandenen Abbildungen sind ein ums andere Mal zu groß oder zu klein geraten. So wird z.B. fast die ganze Seite 291 benötigt, um den an sich recht trivialen Unterschied zwischen Meningo- und Myelozele schematisch darzustellen. In diesen Eindruck fügt sich einer meiner größten Kritikpunkte ein: Schrift und Zeilenabstand sind viel zu groß gewählt. Stellenweise denkt man, ein Bilderbuch zu lesen. Gut und gerne hätte man ein Drittel des Buchumfanges sparen können, wenn Satz und Layout entsprechend verändert worden wären.
Inhaltlich handelt es sich wirklich um eine solide Einführung. Eine ca. fünfzigseitige Rekapitulation der Neuroanatomie - gut gelungen: leicht lesbar und mit zahlreichen Abbildungen - bildet den Anfang. Anschließend werden auf ca. 25 Seiten Diagnostische Methoden der Neurochirurgie präsentiert. Ein Kapitel mit dem Titel "Grundzüge neurochirurgischer Operationen" findet sich am Ende des Buches, wäre jedoch meiner Meinung nach im Anschluss an die Diagnostik besser platziert gewesen. Ansonsten werden alle Kernbereiche der Neurochirurgie, z.B. Traumata, Tumoren, Kompressionssyndrome, usw., unter Einbeziehung zahlreicher Schemata und Abbildungen umfassend behandelt. Lobenswert zu erwähnen ist, dass auch eher exotische Themen wie die Tiefenhirnstimulation kurz angerissen werden.
Was nun eine abschließende Beurteilung angeht, so bin ich allerdings zugegebenermaßen etwas unschlüssig. Das Buch ist an vielen Stellen oberflächlich und diskutiert die eigentlichen Operationstechniken oft nur am Rande. Meist werden sie lediglich erwähnt oder in wenigen Worten umrissen. Andererseits war ja auch nur eine Einführung und nicht etwa ein Referenzwerk für angehende Fachärzte angestrebt. Ich glaube dennoch, dass ein gutes Neurologiebuch (das viele Studenten sicher ohnehin haben) mindestens 80% des Inhaltes dieser Darstellung mitliefert. Welcher Student kauft schon ein extra Neurochirurgie - Lehrbuch, zumal fast alle gängigen Chirurgiebücher entsprechende Kapitel aufweisen? Ist sie oder er nervenheilkundlich derart interessiert, hat er mit einiger Wahrscheinlichkeit ein gutes Grundwissen und die ersten beiden Kapitel (Anatomie, Diagnostik) wären, ebenso wie die vornehmlich neurologischen Teile, redundant.
Andererseits ist mir daran gelegen, ausdrücklich hervorzuheben, dass die eigentlichen neurochirurgischen Anteile hochinteressant und durchweg gut geschrieben sind. Es findet sich für meinen Geschmack gewissermaßen nur zuviel "Ballast" um diese herum. Wer die Zeit hat und/ oder das Feld als Gesamtheit - durchaus auch mit dem bewussten Ziel der Rekapitulation - präsentiert bekommen möchte, ist mit diesem Buch in jedem Falle sehr gut bedient. Der angehende Neurochirurg kommt, auch zu Beginn, um die dicken und teuren Facharztwälzer nicht herum. Vielleicht sollten die einschlägigen Verlage diese Zielgruppe einmal ins Auge nehmen, auf das Drumherum verzichten und den verschiedenen Techniken mitsamt ihren Indikationen, Komplikationen und Alternativen dafür etwas mehr Gewicht schenken. Ein solches Buch existiert meines Wissens nach bisher nicht.
