"Physiologie" - Deetjen,Speckmann,Hescheler

Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU

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"Physiologie" - Deetjen, Speckmann, Hescheler

Verlag: Urban & Fischer ,Preis: 72,95 Euro

Physiologie

Allgemeines: Auf dem ersten Blick scheint der „Deetjen“ ein ziemlich schweres Buch zu sein und das in mehrfacher Hinsicht. In einem festen Bucheinband mit seinen insgeamt 19 Kapiteln und 944 Seiten erweckt er in der raren und durchgeplanten Zeit eines Vorklinikers nicht gerade Hochgefühle. Jedoch macht sich auf dem zweiten Blick Erleichterung breit, denn es ist auffallend, dass in den einzelnen Kapiteln nicht nur stofflich, inhaltliche Ausarbeitungen zu finden sind, sondern vor jedem Kapitel eine ausführliche Inhaltsangabe, ein zur Orientierung einführender und den Abschnitt einender Text, sowie ein prägnantes, aussagekräftiges Fallbeispiel. Zwischendurch verdeutlicht es zusätzlich mithilfe von klinisch, relevanten Störungen den behandelten Stoff.Am Ende jedes Kapitels kommt der von Information gesättigte Student noch in den Genuss einer Zusammenfassung und einiger Überblicksfragen, die sich als Lernhilfen durchaus sehen lassen können.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit den Strukturelementen und der Mensch-Umwelt Wechselwirkung des Nervensystems. Das Folgende umfasst die Grundlagen der Neurophysiologie auf 46 Seiten und widmet damit diesem nicht einfachen Thema genügend Aufmerksamkeit. Kapitel 3 unternimmt eine Reise in die Welt der Sinne(sphysiologie), die sich selbst den Anspruch auferlegt nicht nur umfassend zu sein, sondern auch Klarheit in den Ausführungen zu garantieren. Das Motorische System angefangen mit dem strukturellen Aufbau von Knochen und Muskeln, über die Wechselwirkung der einzelnen Elemente, bis hin zur zentralen Verarbeitung und Koordnierung sind Bestandteil von Kapitel 4. Das Fünfte hält Spannung bereit, weil es nicht nur integrative Funktionen (Schlaf;Emotion,Gedächtnis),des noch in Teilen geheimnisumwobenen Teil des menschlichen Körpers, dem Gehirn darstellt, sondern dem Student auch indirekt die Frage der Willkürlichkeit des eigenen Handelns stellt (siehe Bereitschaftspotenzial)stellt. Der Saft, der das Leben bedeutet wird in Kapitel 6 mit seinen 35 Seiten behandelt. Synthese der Blutzellen, Blutstillung-u. –gerinnung sowie Erythrozytenparameter sind nur einige Stichwörter. Der Abwehr und Immunität wird auf den Seiten 379-415 Zeit gewidmet, mit dem Ziel die Möglichkeiten der Reaktion des menschlichen Körpers auf „feindliche“ Infiltrationen durch Bakterien oder Viren Einhalt zu gebieten. Dabei wird in der Vielfalt der lymphatischen Zellen mit ihren fast unüberblickbaren Gewebshormonen ein „roter Faden bewahrt.

In Kapitel 8 wird das große und in seinen Wechselwirkungen zwischen Störgröße und Stellglied reiche Thema Herz-Kreislauf abgehandelt. Hier werden, die in den Vorlesungen ausführlich erarbeiteten und in den Prüfungen oft geforderten Prinzipien der Herz- u. Hämo-dynamik sowie der Regulationsmechanismen besprochen. Dass in unserem Respirationstrakt viel mehr steckt als heiße Luft beweist Kapitel 9. Besonders, die den meisten Studenten Schwierigkeiten bereitenen physikalischen Zusammenhänge werden anschaulisch dargestellt. In den Kapiteln 10,11,12 werden neben Aufbau und Funktion der Nieren, auch Möglichkeiten der Störungen und Gegenregulation im Säure-Basen, sowie Wasser- u. Elektrolyt-Haushalt betrachtet. Das auch andere Sachen außer die Liebe durch den Magen geht erfährt man während der Lektüre des Kapitels 13, in dem die Nahrungsaufnahme, Verdauung, Absorption über 39 Seiten erläutert werden. Im Kapitel Nummer 14 und 15 werden Brücken zur Biochemie geschlagen. Der Energie- u. Wärme-Haushalt mit seinen Bilanzen, verschiedenen Parameter und der Regulation kommen nämlich hier zur Sprache. Das Thema Reproduktion, welches die Gametogenese, die Befruchtung und einen Teil der embryonalen Entwicklung, sowie fächerübergreifend auch die Sexualhormone und deren Wirkung im Körper umfasst, werden im Kapitel 16 behandelt. Die letzten drei Kapitel beschäftigen sich mit den Themen Hormone, Leistung, Alter und Tod.

Layout: Der harte, grüne Bucheinschlag zeigt gleich auf dem Deckblatt, worum es in der Physiologie geht, nämlich sich das Gesamt(-kunst-)werk Mensch anhand von vielen Mosaiksteinen zu erschließen. Bei diesem Vorhaben wird der Student mithilfe von vielen methodischen und grafischen Hilfestellungen begleitet. Zu fast jedem Unterkapitel wird zusätzlich zum Text eine entweder einen Sachverhalt verdeutlichende oder zusammenfassende Grafik dargeboten. Komplizierte und schwer vor zu stellende Zusammenhänge werden dadurch für jeden erreichbar. Es ist eine außerordentliche Erleichterung Kausalitätsketten in Form von einer prägnant kolorierten Darstellung schneller zu erfassen. Diese bewirken eine stets aufgelockerte Seitengestaltung, bei der das müde Auge des Wissensdurstigen stets durch Abbildungen überrascht wird. Zusätzlich ermöglichen, die darunter angeführten Bildbeschreibungen ein Verstehen auch ohne noch einmal den kompletten Abschnitt lesen zu müssen. Wichtige Aussagen eines Abschnitts sind in gelb eingefassten Merkkästen nachvollziehbar. Die in unterschiedlichen Farben am Rand markierten Kapitel ermöglichen eine reibungslose Orientierung. Zahlen- und Parameterwissen wird während den Ausführungen in übersichtlichen grauen Tabellen zusammengefasst. Verschiedene Fotoabbildungen, die z.T. mikroskopische oder klinische Verbindungen herstellen, kommen passend zum Text daher und erübrigen ein parallel Lesen z.B. des Anatomiebuchs.

Meinung: Dieses Buch eignet sich sicherlich nicht, um kurz vor der Prüfung noch mal quer zu lesen oder sich einen Faktenkatalog ins Gedächtnis zu projezieren. Jedoch sind die Abbildungen bezüglich der Vorbereitung äußerst hilfreich, denn sie rufen, dem von den vorklinischen Fächern gebeutelten Studenten schon einmal verstandenes Wissen zurück ins Gedächtnis. Getreu dem Motto ein Bild sagt mehr als 1000 Worte kann man so kapitelweise die „schwierigsten“ Themen mithilfe der Bildbeschreibungen schnell und ergänzend erschließen. Der „Deetjen“ kann durchaus als Lehrbuch im Semester benutzt werden, weil man sich durch die inhaltlich gut getrennten Themengebiete,dass im Vorlesungsverlauf geforderte Wissen aneignen kann. Vor studentischen Lesern, die auf ein Kurzlehrbuch schwören, braucht sich dieses Buch nicht zu verstecken. Wenn man bedenkt, das durchschnittlich mehr als eine Grafik pro Seite angeboten wird, ist es eher zu verstehen, dass es doch stattliche 944 Seiten geworden sind. Mit verständlichen und ansprechenden Satzformulierungen schafft es dieses Buch seitenweise strukturiertes Wissen im Kopf des Lesenden an zu häufen ohne ihn zu überhäufen. Sachverhalte, die in Kurzlehrbüchern oft zu schmalbrüstig dargelegt werden , sind im “Deetjen“ so beschrieben, dass sie nicht nur einleuchtend, sondern auch einprägend aufgefasst werden können. Mit 69,95 Euro kann dieses Werk sicher nicht mit Taschenatlanten oder Kurzlehrbüchern konkurieren, doch eines ist sicher, wenn man sich für dieses Physiologielehrbuch entscheidet, kann man sicher durch die Sturmfluten der Vorlesung, der Seminare und Praktika manövrieren. Ein kleines Bonbon zum Schluss und zwar umfasst der Kauf des Buchs einen Onlinelesezugang sowie eine CD-Rom mit allen Abbildungen und Prüfungsfragen aus den Physikumsprüfungen von 8/95 bis 03/04.