Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU
Von Maria Klarfeld
Auch wenn die Schmerztherapie akuter wie chronischer Schmerzen in den letzten Jahren eine deutliche Aufwertung innerhalb der Anästhesiologie erfahren hat, gibt es nur eine relativ kleine Auswahl an geeigneten Lehrbüchern für Studium und Klinikalltag. Mit dem vorliegenden Buch "Checkliste Schmerztherapie" liegt nun ein Versuch vor, das gesamte Stoffgebiet übersichtlich und doch umfassend darzustellen.
Das Buch ist in vier farblich abgegrenzte Teile gegliedert, wobei der erste zunächst Grundlegendes zur Pathophysiologie und Diagnostik des Schmerzes beinhaltet. Der folgende Teil zur Behandlung von Akutschmerzen ist sehr knapp gehalten und beschränkt sich auf postoperatives Schmerzmanagement und die allgemein häufigsten Akutschmerzsituationen (Kopfschmerz, Gallenkolik etc.). Bedeutend ausführlicher fällt der dritte Abschnitt zum Thema chronischer Schmerz aus, in dem Klinik, Diagnostik und Therapie relevanter Krankheitsbilder aus zahlreichen Fachgebieten (Neurologie, Orthopädie, Onkologie,...) zusammengetragen sind.
Ebenfalls kurz angesprochen werden Schmerztherapie in Kindheit, Schwangerschaft und fortgeschrittenem Alter sowie Medikamentenabhängigkeit bei chronischen Schmerzpatienten. Im letzten Teil zum Thema Schmerztherapieverfahren fühlt man sich zunächst etwas erschlagen durch knapp 50 Seiten reine Medikamentenlehre, die sich aber anders als die einschlägigen Pharma-Lehrbücher nicht in biochemischen Details verliert, sondern hauptsächlich klinikrelevante Wirkungs- und Nebenwirkungsprofile sowie tabellarisch zusammengefaßte Dosierungsschemata bietet. Im Anschluß daran werden die wichtigsten interventionellen Schmerztherapieverfahren (überwiegend aus dem Bereich Regionalanästhesie) und weiterhin TENS und Akupunktur vorgestellt. Die psychologischen Aspekte der Schmerztherapie werden allenfalls kurz angerissen, was im Rahmen einer "Checkliste" wohl nicht anders zu erwarten war. Ein kurzer Ausflug in physiotherapeutische, manuelle und physikalische Verfahren sowie multimodale Therapieansätze schließen diesen Teil ab.
Der Schreibstil des Buches ist knapp und meist schlagwortartig und erschwert so das Lesen längerer Passagen, reicht aber zum schnellen Nachschlagen völlig aus. Durchgehend findet man eine Beschränkung auf die wesentlichen Sachverhalte, was auch durch den stichwortartigen Satzbau unterstützt wird. Besonders wichtige Punkte sind innerhalb des Textes durch "Hinweis", "Beachte" oder ähnliche Formulierungen markiert. Leider finden sich kaum Erläuterungen zur ICD-10-Codierung von akuten wie chronischen Schmerzursachen, was meiner Meinung nach Bestandteil einer "Checkliste" sein sollte.
Fazit: "Checkliste Schmerztherapie" stellt einen im Großen und Ganzen gelungen Überblick über den bisherigen Stand der Schmerztherapie dar. Für das Medizinstudium insgesamt ist das Buch gemessen an der (leider zu geringen) Bedeutung der Schmerztherapie innerhalb der Ausbildung zu ausführlich und detailliert, in jedem Fall aber denjenigen Studenten zu empfehlen, die sich intensiver mit dem Thema befassen wollen. Im Klinikalltag ist es auch durch das praktische Kitteltaschenformat recht gut einsetzbar. Ein ausführlicheres Lehrbuch, besonders für Weiterbildungszwecke im Gebiet Schmerztherapie, kann es jedoch nicht ersetzen.
H. Huber und E. Winter: Checkliste Schmerztherapie
Thieme-Verlag, 2005
364 Seiten, 29,95 EUR
ISBN-10: 3131296712
ISBN-13: 9783131296719