Fotoatlas Anatomie, Elsevier

Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU

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Von Christoph Hennig

Dass der Hannoveraner Anatom Herbert Lippert ein umtriebiger Autor ist, ist hinreichend bekannt. Eines der jüngsten Werke, das seinen Namen trägt, stammt dennoch nicht aus seiner Feder und sollte deshalb auch bisherige Nicht-Lippert-Fans aufhorchen lassen. Der "Fotoatlas Anatomie" ist nicht sein originäres Werk, sondern bloß die Übersetzung des englischsprachigen Werkes von J.A. Gosling und Kollegen.

Das Rohmaterial, das Lippert lediglich mit kurzen Texten zur Orientierung versehen hat, überzeugt: Sechshundert Fotos gut bearbeiteter Präparate, daneben jeweils eine Skizze des Fotos, in dem die verschiedenen Strukturen farblich voneinander abgehoben dargestellt und beschriftet sind. Das ermöglicht eine sehr gute Orientierung und ist der große Vorteil gegenüber dem weitgehend textfreien Fotoatlas von Rohen/Yokochi.

Auch sonst sind Struktur und Layout überaus übersichtlich gestaltet. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Einführung und einigen Übersichtsskizzen, die jedoch eher schlichter Natur sind. Die 15 MC-Prüfungsfragen an jedem Kapitelende kann man getrost überblättern; sie bilden nur einen kleinen, willkürlich gewählten Ausschnitt des jeweiligen Lernstoffs nach. Als echtes Schmankerl hingegen erweist sich die Seite mit Klinischen Fällen und Fragen zu jedem Kapitel. Deren Beantwortung kann dem eigenen Verständnis auf die Sprünge helfen und sicher auch den einen oder anderen Anatom im Magdeburger Präpkeller begeistern.

Ein großes Tadel erhält der Grafiker des amerikanischen Original-Verlags: Marmorhintergründe waren bestenfalls zu Zeiten von Windows 95 das visuelle Nonplusultra, und die Farben für die Skizzen sind offentlich günstig in Rudis-Reste-Rampe abgegeben worden. Das müsste wirklich nicht sein, zumal der Fotoatlas Anatomie ansonsten überaus empfehlenswert ist. Er ersetzt (wie alle Text-Atlanten) natürlich kein Lehrbuch und wohl auch keinen echten, gezeichneten Atlas. Als Zweitatlas, beispielsweise für die Topografische Anatomie, sollte man den neuen Lippert jedoch ernsthaft in Betracht ziehen, zumal das Preis-Leistungsverhältnis durchaus besticht.


Gosling/Harris/Whitmore/Willan: Fotoatlas Anatomie

396 Seiten

1. Auflage 2005

Elsevier, München

39,95 Euro.