Hick: Klinische Ethik

Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU

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Von Jan Teuber

Mit dem Buch Klinische Ethik hat Christian Hick einen interessanten Leitfaden für die ethischen Fragen, die einem im Klinikalltag nur allzu schnell begegnen, vorgelegt, der sich vor allem durch eine klare und verständliche Sprache auszeichnet. Durch die Berücksichtigung der Problembereiche Patientenaufklärung, Schweigepflicht, Stellung von Patientenverfügungen sowie Zwangsbehandlung und Zwangsunterbringung eignet sich dieses Buch ausgezeichnet als Begleiter der ersten Schritte in der Klinik, besonders, da auch schon der Medizinstudent im Rahmen seiner Famulaturen direkt mit diesen Themen in Berührung kommt. Aber auch komplexere Bereiche haben ihren Platz gefunden. So stellt die Erläuterung der unterschiedlichen Standpunkte zu den verschiedenen Formen der Sterbehilfe und -begleitung einen zentralen Abschnitt dar, der auch die Entwicklung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden kritisch beurteilt. Darüber hinaus haben Erörterungen zur Forschung am Menschen, Pränataldiagnostik und Mittelverteilung im Gesundheitssystem Eingang in dieses Lehrbuch gefunden.

Dabei gelingt es den Autoren recht gut, die philosophisch komplexen Fragestellungen auf das für den medizinischen Alltag Relevante zu reduzieren. Die stützenden und widersprechenden Argumente eines Standpunktes werden stets in gleichem Maße und vorurteilsfrei gewürdigt und gegenübergestellt, gefolgt von einer Zusammenfassung, die versucht, soweit möglich, einen Konsens zu formulieren. Zwar scheint an dieser Stelle gelegentlich auch die Autorenmeinung durch, sie drängt sich im Verlaufe dieses Buches aber nie auf, sondern läßt stets auch Platz für die eigenen Gedanken und Meinungen.

Besondere Erwähnung verdient auch die große Zahl an Fallbeispielen im Text, die im Verlauf stets gut aufgearbeitet und erörtert werden. Ergänzend findet sich ein Abschlußkapitel, welches zehn weitere Patientengeschichten zur individuellen Rekapitulation und Reflexion anführt. Darüber hinaus befaßt sich Klinische Ethik auch mit den speziellen ethischen Konflikten, denen ein Medizinstudent im Zuge seines Studiums ausgesetzt sein kann. Teils schlechte Lehre, aus ethischer Sicht unzureichend qualifizierte Lehrende und eine mangelnde Integration ethischer Fragen in das Curriculum sind als Kernpunkte zu nennen. Diese werden in der Regel lediglich vorgestellt und nur in einigen Fällen durch Lösungsvorschläge ergänzt. Der Abschnitt "Medizinethisches Argumentieren" liefert dann letztlich Handwerkszeug für die nicht immer einfachen Diskussionen auf diesem Gebiet.

Beim Lesen der ersten Kapitel können inhaltliche Redundanzen möglicherweise als leicht störend empfunden werden. Innerhalb eines Kapitels ist es dann besonders der Abschnitt "Rechtlicher Kontext", der einiges wiederholt. Letztlich sind es aber wenige zentrale Aspekte, die es in den unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder von neuem abzuwägen gilt. Gerade diese Repetitionen und Zusammenfassungen erleichtern aber andererseits den Lesefluß erheblich, da wichtige Punkte somit auch wirklich im Gedächtnis bleiben, ohne daß einzelne Seiten unzählige Male gelesen werden müssen.

Fazit: Auch wenn ein Buch wie dieses vom Curriculum her nicht unbedingt ein "Muß" zu sein scheint, ist die Lektüre dennoch sehr zu empfehlen. Ohne komplizierte Beweise und Argumentationen gelingt es Christian Hick, zentrale ethische Konflikte des klinischen Alltags von ihren unterschiedlichen Standpunkten her darzustellen und Lösungsansätze anzubieten. Dies geschieht stets unter Berücksichtigung des derzeitigen rechtlichen Kontextes. Damit eignet sich Klinische Ethik sehr gut als Einführung in die ethischen Auseinandersetzungen, die mit medizinischen Berufen, besonders dem ärztlichen, assoziiert sind.


Christian Hick: Klinische Ethik

1. Auflage 2007

Springer Berlin

19,95 EUR

ISBN 978-3-540-21892-0