Imhoff: Checkliste Orthopädie

Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU

Wechseln zu: Navigation, Suche
Imhoff-checkliste-orthopaedie.jpg

Von Till Leber

Die Checkliste Orthopädie ist ein weiterer Klassiker aus dem Hause Thieme für die Kitteltasche des angehenden Orthopäden. Es wurde höchste Zeit, dass nach dreizehn Jahren die Neuauflage erscheint, genau zum Zeitpunkt der Vereinigung des orthopädischen und unfallchirurgischen Facharztes, dies spiegelt sich in dem Standartwerk jedoch leider nicht wieder.

Das Buch ist, wie jede Checkliste, in vier farbige Kapitel unterteilt. Los geht es mit den Grundlagen, hier gibt es gute Übersichten über Segmente, Innervation, Reflexe, Leitmuskeln, Leitnerven, sämtliche Freiheitsgrade und Untersuchungstechniken. Alle gängigen Orthesen und Verbandstechniken werden einleuchtend vorgestellt und erklärt. Auch die Grundlagen der pharmakologischen Therapie (Analgetika, Antibiotika) werden in übersichtlichen Tabellen gut zusammengefasst. Leider fehlen in diesem Kapitel der mittlerweile immer wichtiger werdende "Papierkram" mit dem der Anfänger in der Klinik stets zu kämpfen hat. Anträge, Rezepte, Formulare, Anschlussheilbehandlungen und Dokumentation in Zeiten von DRG und ICD-10 fehlen leider komplett in dem Taschenbuch, welches den praktischen Alltag in der Klinik erleichtern soll.

Im zweiten Teil werden sehr nützliche Algorithmen vorgestellt, die einem auf einen Blick das Procedere bei allen gängigen Fragestellungen der Orthopädie ins Gedächtnis rufen und helfen, dass man hier nichts vergisst.

Der dritte Teil legt Wert auf "Systematik der Krankheitsbilder und Verletzungen". Hier werden sämtliche Erkrankungen nach dem gleichen Schema: Grundlagen, Klinik, Diagnostik, Differentialdiagnose, Therapie und Prognose behandelt. Hier ist mit Stichwortlisten zu arbeiten, Vorkenntnisse der Orthopädie, Pathologie und Therapie sind unumgänglich, es werden keine Prinzipien erklärt. Dieses Kapitel ist nur zum schnellen Nachschlagen geeignet, eher nicht als Kurzlehrbuch für Studenten, bei denen noch Verständnisbedarf besteht. Durch viele schemenhafte Zeichnungen und leider wenige Röntgenbilder werden hier alle wichtigen Krankheitsbilder des Bewegungsapparates vorgestellt und auf ihre Therapiemöglichkeiten eingegangen.

Im vierten und letzten Teil werden auf 75 Seiten orthopädische Notfälle und Operationen erklärt. Ich finde dieses Kapitel kommt deutlich zu kurz, da laut Vorwort "die operative Orthopädie die konservative in den Hintergrund" drängt und Orthopädie und Unfallchirurgie mehr und mehr verschmelzen. Völlig vernachlässigt wird hier die "perioperative Medizin". Es wird beispielsweise kaum darauf eingegangen ab wann ein Knie nach Arthroskopie wieder belastet werden kann, oder ab wann Physiotherapie in der Nachbehandlung von Endoprothesen erlaubt ist. Wenn darauf eingegangen wird, dann ohne Querverweis im Kapitel über die Erkrankung und nicht bei der Operation. Die Nachbehandlung jedoch gehört zur OP und muss auch dort Erwähnung finden. Gut erklärt werden hier die OP Techniken und Prinzipien, teilweise werden auch alle Schritte der OP dargestellt und die unterschiedlichen Zugangswege werden mit vielen anatomischen Skizzen erläutert.

Letztlich bleibt zu sagen, dass mit der Checkliste Orthopädie alle wesentlichen klinischen Aspekte der Orthopädie beleuchtet werden. Dieses Werk darf in keinem Stationsarztzimmer fehlen. Jedoch sei erwähnt, dass sich das Buch eher nicht für Studenten als Lehrbuch oder Kurzlehrbuch eignet, da umfassende Grundkenntnisse vorausgesetzt werden und ein Examen aufgrund des Fehlens von Physikalischer Medizin, Rehabilitationsmedizin und Chirotherapie nur schwer zu bestehen wäre. Das Buch findet seinen Sinn als punktuelles Nachschlagewerk und wird für viele Studenten im Frust enden da, sollte keine Vorarbeit durch ein Lehrbuch geleistet sein, viel Zeit durch Blättern und Suchen verloren geht.


A. B. Imhoff, R. Baumgartner, R.D. Linke: Checkliste Orthopädie

Thieme Verlag, 3. Auflage, Januar 2005

600 Seiten, 44,95 Euro

ISBN 9783131422811

ISBN- 3131422815