Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU
Von Chris Böthig
Dieses Neuroanatomielehrbuch umfasst 14 Kapitel und 396 Seiten eingebettet in einen grünen, weichen Bucheinband. Ein Werk von Studenten für Studenten? Diese Frage ist eindeutig mit ja zu beantworten, denn wenn man bei der Lektüre auf insgesamt 285 Abbildungen und 27 Tabellen stößt, die mit ausführlicher Beschriftung dargeboten werden, kann man nur feststellen, dass hier viel Wert auf Verständlichkeit im morphologischen wie im funktionellen Sinn gelegt wurde. Die Gliederung jedes einzelnen Kapitels ist wie folgt. Zu Beginn der Hauptkapitel ist zusätzlich zur Inhaltsangabe am Buchanfang noch einmal eine systematische Auflistung der bearbeiteten Themen aufgeführt. Im Folgenden gelangt man über die Erläuterungen immer wieder auf visuell abgegrenzte Passagen, die den behandelten Stoff mithilfe eines klinischen Beispiels verdeutlichen und vertiefen. Im Rahmen der Wissensvermittlung ist einerseits positiv hervor zu heben, dass zwischen den Erläuterungen Querverweise zu stofflich-verwandten Kapiteln und kleiner gedruckte Abschnitte zu finden sind, die vertiefend und abstrakt erklärend bei Verständnisproblemen zu Hilfe eilen. Andererseits ist ein Pluspunkt dieses Werks, die nach jedem Kapitel abgedruckte Zusammenfassung, die, die wichtigsten Fakten zusammenträgt.
Wiederholungsfragen wie sie auch in mündlichen Testaten formuliert werden bieten auch schon während des Lernens die Möglichkeit zur Selbstüberprüfung. Die im Buch benutzten Abbildungen umfassen ein weites Spektrum an didaktischen Ideen. Bei der Lektüre wird der Student überrascht mit anatomisch-funktionellen Zeichnungen, mit übersichtlichen Schemata und Darstellungen bildgebender Verfahren. Diese sind in ihrer Gesamtheit nicht nur zahlreich, sondern auch geistreich. Es ist immer wieder beeindruckend, wie viel Klarheit ein Bild in einen Sachverhalt bringen kann. Besonders bei schwer vor zu stellenden und komplexen Strukturen des menschlichen Gehirns gibt dieses Buch klare Hilfestellungen. Das von Martin Trepel verfasste Lehrbuch begnügt sich nicht nur mit dem Anspruch ein sich geschlossenes, gutes Werk zu sein, sondern ist auch ein Grenzgänger in Bezug auf die Physiologie. Sachverhalte, die sich auf die Struktur und Funktion von Sinnesorganen beziehen, sind im Textverlauf einprägsam dargestellt und eindringlich bebildert, sodass man sich mit gesteigerter Leichtigkeit ausgehend von einem dem geistigen Auge immer klarer werdenden Bild vom Ort des Geschehens durch die Signaltransduktionskaskaden schlagen kann.
Das Fach Neuroanatomie ist bei vielen Studenten ein unbequemes Thema, weil es oft als zu abstrakt und nicht fassbar abgestempelt wird. Mit dem vorliegenden Werk, das auch in seinem Ausdruck den Spagat zwischen wissenschaftlicher Exaktheit und Verständlichkeit bewältigt, ist dem Autor ein wirkliches Lern- und Lehrbuch gelungen, dass seinesgleichen sucht. Die Anatomie des menschlichen Gehirn ist in seiner Komplexität bis heute nicht eindeutig verstanden. Dieser Fakt hält Martin Trepel jedoch nicht davon ab den bekannten Stoff so dar zu legen , dass man als Leser von den übersichtlichen textlichen und visuellen Stoffaufarbeitungen übberrascht und erfasst ist. Ein Onlinelesezugang ist mit Kauf dieses Buchs inbegriffen. Für 31,50 Euro erhält man somit ein sehr gutes Lehrbuch.
Martin Trepel: "Neuroanatomie Struktur und Funktion"
Verlag: Urban & Fischer, 3.Auflage (2004)
Preis: 31,50 Euro
