Photographischer Atlas der Praktischen Anatomie

Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU

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Die Anatomie ist das tägliche Brot der Studenten (v. a. in der Vorklinik). Dieses Fach verfolgt so manchen bis in den Schlaf, obwohl es nicht immer ein Traum ist. Zum Begreifen der Anatomie benötigt man neben der guten Ausbildung durch die Universität auch perfekte Literatur. In der Bibliothek steht eine unvorstellbare Masse an dicken Lehrbüchern, in denen man den ganzen Stoff, auf unterschiedliche Art und Weise präsentiert bekommt. Als besonders lehrreich erscheinen photographische Atlanten. Da gibt es zum Beispiel den drei Kilogramm schweren "Thiel" aus dem Hause Springer. In diesem Buch finden sich hervorragenden Fotos minutiöser Sektionen. In unübertroffener Detailtreue dokumentiert diese Darstellung der topografischen Anatomie neben chirurgischen Zugangswegen auch die Funktionen der Gelenke. Allerdings hilft dieses Werk dem Leser aber nur zu Hause, da das Buch leider durch seine Form und sein Gewicht nichts für den Studenten-Rucksack ist.

Auch wenn die Fotos brillant sind und man durch das revolutionäre Konservierungsverfahren der lebensechten Präparationen echtes "Keller-feeling" erhält, so ist doch der Lernspaß suboptimal. Die Idee des Autor scheint klar und deutlich: links der Text und rechts das Bild. Allerdings ist das gleichzeitige Benutzen beider Informationen nicht so leicht umsetzbar. Manchmal verwirren auch die Pfeile in den Bildern, die eigentlich der Orientierung helfen sollten.

Dieses Buch ist ohne Zweifel eine gute Vorbereitung für den OP-Saal, da die abgebildeten Strukturen weitgehend den optischen Eindrücken bei Operationen entsprechen. Der Springer-Verlag wirbt damit, dass dieser Atlas ideal für operativ tätige Ärzte, Pathologen und Anatomen ist. Also für Fortgeschrittene. Für Medizinstudenten ist er meiner Meinung nach nur bedingt nützlich. Hier bewehrt sich eher das Chirurgie Buch von J. Rüdiger Siewert (ebenfalls Springer-Verlag).

Wer also sein erstes Staatsexamen in der Tasche hat, in selbiger etwas Geld findet und beim Lernen für die Klausuren auf Fotos mit exakten Darstellungen von klinischen Bezügen zurück greifen möchte, der kann sich dieses Buch kaufen. Für alle Studenten, die nicht unbedingt ein chirurgisches Fach als ihre Zukunft ansehen, ist dieser Atlas leider nur "Gold für das Bücherregal".


Walter Thiel: Photographischer Atlas der Praktischen Anatomie

Springer-Verlag, 2. aktualisierte Neuausgabe, 2002

862 Seiten, 99,95 Euro

ISBN 978-3-540-31242-0