Aus Fachschaftsrat der Medizinischen Fakultät der OvGU
Der Erwerb des Doktortitels ist für angehende Mediziner in Deutschland keine Pflicht. Die Ausübung des ärztlichen Berufes ist somit unabhängig vom akademischen Grad des Doktors. Wieviel zusätzliche Arbeit mit einer Promotion verbunden ist, wissen die wenigsten Studierenden, bevor sie dieses Mammutwerk in Angriff nehmen. Dennoch versucht sich fast jeder angehende Mediziner im Laufe seines Studiums an der Doktorarbeit. Dass trotzdem nur rund zwei Drittel der Studienabsolventen langfristig promoviert sind, liegt häufig daran, dass die Probleme, die in den unterschiedlichsten Abschnitten auftreten können, von vornherein unterschätzt oder aber nicht bedacht werden. Deshalb ist es ratsam, sich genau darüber zu informieren, worauf man sich mit einer Doktorarbeit neben dem Studium einlässt. Einer der wenigen Ratgeber, der sich dieser Thematik widmet ist "Mit Vollgas zum Doktor - Promotion für Mediziner", ein Ende des letzten Jahres im Springer-Verlag erschienenes Buch.
Das Buch umfasst etwa 180 Seiten und ist in sieben Kapitel plus Anhang eingeteilt, die sich chronologisch ergänzen. Nach einem kurzen Vorwort beginnt man mit der ganz grundlegenden Entscheidung ja oder nein. Anschließend wird beschrieben wie man sich seinem gewünschten Thema am geschicktesten nähert, gefolgt von den notwendigen theoretischen Vorarbeiten zur Promotion. Dann geht es um die eigentliche praktische Arbeit, bevor das Schreiben, das einen nicht unerheblichen Teil der gesamten Arbeit ausmacht, von verschiedenen Seiten beleuchtet wird. Letztendlich erfährt man als meist wenig vorinformierter Leser auch etwas über die Möglichkeit der Veröffentlichung seiner Ergebnisse und den abschließenden formellen Dingen, wie die Abgabe und die mündliche Verteidigung. Der Anhang bietet darüber hinaus eine Synonym-Wörterliste, sowie zahlreiche Internetadressen rund um die Promotion und nicht zuletzt eine Übersicht über verschiedene Fachzeitschriften, in denen man seine Ergebnisse veröffentlichen kann.
Die einzelnen Unterkapitel beginnen jeweils mit einer kurzen Einleitung in Form eines Zitates oder eines Gedankenanstoßes und stellen eine recht gelungene Hinführung zum Thema dar. Der Umfang der einzelnen Abschnitte variiert dabei entsprechend der Wichtigkeit der einzelnen Teile der Doktorarbeit. Die Sprache ist durchweg gut verständlich und bietet auch dem fachfremden Leser schnellen Zugriff auf Informationen. Insgesamt vermittelt der Autor zahlreiche Tipps und liefert viele wertvolle Informationen zum Thema, gelegentlich werden auch Randbereiche betreffende Sachverhalte kurz erläutert, ohne jedoch den Textfluss in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen. Besonders gelungen sind aus meiner Sicht die kurzen Zusammenfassungen in Form von Checklisten am Ende eines jeden Abschnitts. Zusätzlich werden wichtige Hinweise mehrfach in jeweils unterschiedlichen Zusammenhängen wiederholt, so dass der Merkeffekt schon beim ersten Lesen recht hoch ist. Weiterhin wird der Leser auf bekannte Probleme und Stolpersteine gesondert hingewiesen und wenn möglich Alternativen aufgezeigt. Nicht unerwähnt lassen möchte ich den zehnseitigen Word-Schnellkurs, sowie die praktischen Angaben zum Umgang mit Suchmaschinen zur Literaturrecherche, die man im Buch vorfindet und die eine oft unterschätzte Rolle spielen. Auch der Anhang soll hier positiv erwähnt werden, da die Synonymliste eine sinnvolle Hilfe beim Schreiben darstellen kann und die angegebenen kurz kommentierten Internetadressen die Literaturrecherche teilweise erheblich erleichtern. Lediglich der Preis scheint aus meiner Sicht mit etwa 17 Euro an der oberen Schmerzgrenze zu liegen, da es sich nicht unmittelbar um ein Fachbuch handelt.
Fazit: Alles in allem liefert der Autor genau die Menge an Information, die man als zukünftiger Doktorand benötigt, ohne sich jedoch in Kleinigkeiten zu verlieren. Durch die übersichtliche Gliederung eignet sich das Buch sowohl zum Einsteigen in das Thema als auch zum schnellen Nachlesen. Aus meiner Sicht ist das Buch für jeden Studierenden zu empfehlen, der keine Vorstellung davon hat, was einen erwartet oder dem nicht klar ist, wie er am besten an die ganze Sache herangehen soll. Zusätzlich dient es natürlich vor allem während der Promotion als hilfreicher Begleiter, trotz des vielleicht etwas zu hohen Preises.
Christian P. Schaaf: Mit Vollgas zum Doktor - Promotion für Mediziner
Springer-Verlag, 1. Auflage, 2006
174 S., 16,95 EUR
